Ich glaube, ich habe verlernt, mich zu langweilen 🌾

Veröffentlicht am 16. August 2026 um 12:06

Heute ist Sonntag.

Und eigentlich ist das doch der perfekte Tag, um einmal nichts zu tun.

Keinen Termin zu haben...
Nichts erledigen zu müssen...
Nicht produktiv zu sein...

Einfach dazusitzen und den Tag ein bisschen passieren zu lassen.

Eigentlich.

Denn wenn ich ehrlich bin, fällt mir genau das manchmal erstaunlich schwer.

Kaum entsteht irgendwo eine freie halbe Stunde, fällt mir etwas ein, das ich noch machen könnte.

Eine Nachricht beantworten.
Kurz etwas auf der Webseite anschauen.
Eine Idee notieren.
Ein paar Bilder sortieren.
Etwas vorbereiten.
Etwas nachschauen.

Und wenn wirklich einmal nichts davon ansteht?

Dann ist da ja immer noch das Handy.

Nur ganz kurz Instagram öffnen.

Nur schnell schauen, ob eine Nachricht gekommen ist.

Nur noch dieses eine Video.

Und plötzlich sind zwanzig Minuten vorbei.

Dabei frage ich mich manchmal:

Wann habe ich mich eigentlich das letzte Mal richtig gelangweilt?

Nicht gelangweilt im Sinne von: Ich weiß nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll.

Sondern diese ganz einfache Langeweile von früher.

Draußen sitzen und nichts tun.

Aus dem Fenster schauen.

Irgendwo warten, ohne sofort das Handy herauszunehmen.

Musik hören, ohne nebenbei noch etwas anderes zu machen.

Auf einer Bank sitzen und Menschen beobachten.

Oder einfach einen Gedanken entstehen lassen, ohne ihn sofort festhalten, bewerten oder in irgendetwas verwandeln zu müssen.

Ich glaube, solche Momente sind in unserem Alltag ziemlich selten geworden.

Wir haben uns daran gewöhnt, jede kleine Lücke zu füllen.

Mit Informationen.

Mit Unterhaltung.

Mit Arbeit.

Mit Nachrichten.

Mit Musik.

Mit Podcasts.

Mit Social Media.

Mit irgendetwas.

Hauptsache, es passiert etwas.

Und ich nehme mich davon überhaupt nicht aus.

Ich mag es, Dinge zu machen.

Ich habe Ideen.

Ich plane gerne.

Ich arbeite gerne an Dingen, die mir wichtig sind.

Und manchmal kann ich mich so sehr in etwas vertiefen, dass aus „Ich mache das noch schnell“ plötzlich Stunden werden.

Das ist nicht grundsätzlich schlecht.

Aber vielleicht braucht es zwischendurch auch das Gegenteil.

Momente, in denen nichts passieren muss.

Vielleicht haben wir Langeweile irgendwann zu etwas gemacht, das vermieden werden sollte.

Als wäre ein Moment ohne Beschäftigung automatisch verlorene Zeit.

Dabei frage ich mich inzwischen, ob nicht gerade diese scheinbar nutzlosen Momente manchmal unglaublich wertvoll sind.

Denn wenn außen für einen Moment nichts passiert, entsteht plötzlich Platz.

Platz für Gedanken, die sonst gar nicht zu Wort kommen.

Für Ideen, nach denen wir nicht gesucht haben.

Für Gefühle, die im Alltag irgendwo zwischen Terminen und Aufgaben untergehen.

Oder einfach für gar nichts.

Und vielleicht darf auch das einmal sein.

Ich muss aus einem freien Nachmittag kein Erlebnis machen.

Ich muss einen Sonntag nicht „nutzen“.

Ich muss nicht jede freie Minute sinnvoll verbringen.

Und ich muss auch aus einem schönen Moment nicht sofort etwas machen.

Vielleicht darf ich einfach darin sein.

Das klingt so selbstverständlich.

Und gleichzeitig merke ich, wie ungewohnt es geworden ist.

Selbst beim Warten greifen wir zum Handy.

Beim Essen läuft etwas nebenher.

Beim Spaziergang hören wir einen Podcast.

Beim Einschlafen läuft noch ein Video.

Wir sind unglaublich gut darin geworden, uns zu beschäftigen.

Aber vielleicht haben wir dabei ein bisschen verlernt, uns selbst Gesellschaft zu leisten.

Und genau dieser Gedanke gefällt mir.

Denn Langeweile bedeutet vielleicht gar nicht, dass gerade nichts da ist.

Vielleicht bedeutet sie nur, dass für einen Moment nichts unsere Aufmerksamkeit verlangt.

Kein Bildschirm.

Keine Aufgabe.

Keine Erwartung.

Kein nächster Punkt auf irgendeiner Liste.

Nur dieser Moment.

Und wir.

Vielleicht probiere ich deshalb heute etwas aus.

Nicht als Challenge.

Nicht als neue Routine.

Und ganz bestimmt nicht als weiteren Punkt auf meiner To-do-Liste.

Ich möchte irgendwann heute mein Handy weglegen.

Mich irgendwo hinsetzen.

Und zehn Minuten lang nichts machen.

Nicht meditieren.

Keine Atemübung.

Nicht reflektieren.

Nicht überlegen, was ich anschließend daraus für NianSoul machen könnte. 😉

Einfach sitzen.

Schauen.

Hören.

Vielleicht denken.

Vielleicht auch nicht.

Und wenn mir nach drei Minuten langweilig wird?

Dann darf mir eben langweilig sein.

Vielleicht muss ich dieses Gefühl gar nicht sofort wieder loswerden.

Vielleicht entsteht genau dahinter etwas, für das in meinem Alltag sonst viel zu wenig Platz bleibt.

Stille.

Nicht die perfekte, friedliche Stille, in der plötzlich alle Gedanken verschwinden.

Sondern einfach ein kleiner ungefüllter Moment.

Und vielleicht ist das für diesen Sonntag schon genug.

Deshalb möchte ich Dir heute auch keine große Übung mitgeben.

Nur eine kleine Einladung:

Wenn heute irgendwo eine Lücke entsteht, fülle sie nicht sofort.

Lass das Handy noch einen Moment liegen.

Mach nicht gleich den Fernseher an.

Suche nicht sofort nach der nächsten Beschäftigung.

Bleib einfach ein bisschen dort.

Vielleicht wird Dir langweilig.

Vielleicht wirst Du unruhig.

Vielleicht kommen plötzlich hundert Gedanken.

Oder vielleicht passiert überhaupt nichts.

Auch gut.

Denn nicht jeder Moment unseres Lebens muss produktiv, besonders oder sinnvoll sein.

Manche Momente dürfen einfach nur Momente sein. 🤍

Und vielleicht haben wir das tatsächlich ein bisschen verlernt.

Ich zumindest möchte es wieder ausprobieren.

🌿 Eine Frage für Deinen Sonntag:

Wann hast Du das letzte Mal wirklich nichts gemacht – ohne Handy, ohne Aufgabe und ohne das Gefühl, Deine Zeit sinnvoll nutzen zu müssen?

Vielleicht ist heute ein guter Tag dafür.

Hab einen schönen Sonntag.

Und vielleicht auch einen ein kleines bisschen langweiligen. 🤍

🙏 Namasté 🙏


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